Gesellschaftliche Teilhabe: Lesen und Schreiben gehören heute unbedingt dazu

210.000 Menschen in Schleswig-Holstein können nur sehr wenig lesen und schreiben. Bezogen auf die gesamte Bundesrepublik sind das 6,2 Millionen Personen, so lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Hamburg. Auf diese hohen Zahlen will der Weltalphabetisierungstag am 8. September aufmerksam machen, der schon 1965 durch die UNESCO ins Leben gerufen wurde.

„Wer kaum lesen und schreiben kann, hat bei alltäglichen Routinen meist Ersatzstrategien entwickelt, Einschränkungen ergeben sich vor allem bei selteneren Aufgaben“, sagt Karsten Schneider, Direktor des Landesverbandes der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins. „Dies ist häufig der Fall, wenn es ums Geld geht, wenn man vielleicht Verträge nicht rechtskräftig kündigen kann oder versehentlich in eine Vertragsfalle tappt“, führt Schneider aus.

Gezielt um Alltagsfragen für Verbraucher geht es im Projekt „KonsumAlpha“, in dem die Verbraucherzentrale, der Landesverband der Volkshochschulen und die Europa-Universität-Flensburg zusammenarbeiten. Mit Mitteln aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung werden hier Angebote erarbeitet, die sofort im Leben der Teilnehmenden nutzbar sein sollen. Themen sind zum Beispiel: Verbraucherrecht, Wohnen, Versicherungen, Geld und Finanzen. Das Ziel ist, Menschen mit sinnvollem Lernstoff zum Lernen zu motivieren und dabei direkt ihr Leben zu verbessern.

In Schleswig-Holstein bieten 25 Volkshochschulen Kurse an, in denen Erwachsene lesen und schreiben lernen können – entweder ganz von vorn, oder genau das, was für den Alltag gebraucht wird. Fast alle sind kostenlos oder erheben nur geringe Entgelte. Doch nur rund 500 Menschen nehmen daran teil.

Neue Teilnehmer zu erreichen, ist eine große Herausforderung. Anders als bei Zugewanderten, die Deutsch ohnehin mit allen Aspekte lernen, ist es für Deutsch sprechende Erwachsene ein großes Tabuthema, kaum lesen und schreiben zu können. „Das ist nicht vergleichbar mit Computer-Fragen, wo man ganz gezielt einen Kurs bucht“, erläutert Petra Mundt, die sich beim Landesverband für alle Volkshochschulen um Alphabetisierung kümmert: „Wer lesen und schreiben als Erwachsener lernen will, überwindet große Hürden, um wieder mit dem Lernen zu beginnen – dabei sind die Kursgruppen sehr locker und erwachsenengerecht gestaltet. Davor muss sich niemand fürchten.“

Zum Weltalphabetisierungstag sollen vor allem Menschen angesprochen werden, die Betroffene kennen, um die Lernmöglichkeiten bekannter zu machen. In fünf Beratungsstellen (in Oldenburg i. H., Rendsburg, Husum, Norderstedt und Meldorf), sowie zahlreichen örtlichen Volkshochschulen, können sich diejenigen informieren, die lernen möchten oder die am Thema interessiert sind. Die Beratung ist kostenlos und die Preise für die VHS-Kurse sind erschwinglich.

Im vhs Lernportal unter www.vhs-lernportal.de besteht die Möglichkeit zum kostenlosen Selbstlernen.

Pressemitteilung

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07.09.2019 05:30 Alter: 73 Tage